1. Einleitung

Sozialer Aktivismus klingt vielleicht wie ein großes und schwieriges Konzept, aber im Kern ist es ganz einfach: Aktivismus bedeutet, dass man sieht, dass etwas sicherer, gerechter und besser sein könnte und dann gemeinsam mit anderen daran zu arbeiten, es zu verbessern. Dieses Handbuch hilft Lehrkräften, aber auch Schüler*innen, zu entdecken, wie Aktivismus im Schulalltag aussehen kann. Es zeigt, dass große Veränderungen nicht immer große Aktionen benötigen: Manchmal beginnt Veränderung mit einer einfachen Aufräumaktion, einem Plan Lebensmittelabfälle reduziert werden können oder damit, dass man dafür sorgt, dass sich alle während der Pause wohl fühlen. 

Dieses Handbuch erklärt, dass gute Aktivist*innen gut informiert und gleichzeitig verantwortungsbewusst sein sollen: Dabei wird Wert darauf gelegt, Fakten zu überprüfen, die Privatsphäre von anderen zu schützen und die Rechte aller Beteiligten zu beachten. Die Schüler*innen lernen außerdem, dass Aktivismus am besten funktioniert, wenn er unterschiedliche Stimmen und Talente einbezieht: Wenn alle einen Beitrag leisten, ist das Ergebnis einer Aktion gerechter und effektiver. Mit anderen Worten: Die Grundlagen jedes Aktivismusprojekts sollten Sicherheit, ethisches Handeln und Inklusion sein.

Ein weiterer zentraler Gedanke in diesem Modul ist, dass Aktivismus oft ein Kreislauf ist. Man beginnt damit, ein Problem zu erkennen, probiert dann ein kleines Pilotprojekt für Veränderungen aus, beobachtet, was passiert, reflektiert die Ergebnisse und beginnt durch Verbesserungen von vorne. Dieser Ansatz von „Ausprobierens, Lernens, Anpassens und erneuten Ausprobierens“ lehrt den Schüler*innen, die Angst vor Fehlern durch Neugierde zu ersetzen. Die Schüler*innen bauen Selbstvertrauen auf und entwickeln Fähigkeiten, um sich besser im demokratischen Leben zurechtzufinden. Dieses Handbuch vermittelt den Schülerinnen und Schülern, dass ihr Handeln durch Wiederholung und Reflexion am Ende echte Wirkung entfalten kann, dass sich die Dinge tatsächlich zum Besseren wenden können, wenn sie wie Aktivist*innen handeln.

Im Laufe des Moduls verbinden die Schülerinnen und Schüler ihre Schulprojekte mit der europäischen Identität: mit europäischen Werten wie Würde, Fairness, Solidarität und Teilhabe. Sie entdecken, wie ihre Arbeit mit europäischen und weltweiten Zielen verknüpft ist, wie beispielsweise den Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals - SDG) der Vereinten Nationen. Selbst kleine Aktionen der Schülerinnen und Schüler innerhalb einer Schule werden zu einem bedeutenden Teil einer größeren Bemühung, an der sich viele Menschen in ganz Europa und weltweit beteiligen.

Schließlich regt das Handbuch die Schüler*innen dazu an, über langfristigen Wandel nachzudenken - ein Konzept, das als Nachhaltigkeit bekannt ist. Faire Regeln, klare Abläufe, ehrliche Belege und geteilte Verantwortung tragen dazu bei, dass ein Projekt über die Begeisterung am Anfang hinaus Bestand hat. Auf diese Weise lernen die Schüler, dass es als aktive Bürger*innen nicht nur um Ideen geht, sondern auch darum, Gewohnheiten zu entwickeln, die ihre Gemeinschaften jeden Tag ein Stück besser machen.