5. Von der Vision zum nachhaltigen Wandel

Ein starkes Projekt folgt einem einfachen Zyklus: Idee → Aktion → Wirkung → Nachhaltigkeit → (von vorne beginnen!). Unter „Idee“ versteht man die klare Formulierung von dem, was besser wird, wenn das Projekt funktioniert, zum Beispiel: „Unsere Flure werden ruhiger und freundlicher“ oder „Die Lebensmittelverschwendung in der Mittagspause wird um ein Drittel reduziert.“ „Aktion“ umfasst die konkreten Schritte, ein kurzes Pilotprojekt und einen realistischen Zeitplan. „Wirkung“ sind die Effekte, die zeigen, wie man feststellen kann, ob die Veränderung tatsächlich stattgefunden hat und für wen: zum Beispiel eine Mini-Umfrage mit drei Fragen, eine einfache Zählung des gesammelten Mülls oder ein Vorher-Nachher-Foto einer Leseecke. „Nachhaltigkeit“ ist der Schritt, den viele Gruppen vergessen (Wiggins & McTighe, 2005; UNESCO, 2021): 

  • Wie soll das weitergehen, wenn die anfängliche Begeisterung nachlässt? 

  • Wer ist im nächsten Schuljahr verantwortlich? 

  • Werden Regeln oder Abläufe angepasst, damit die Veränderung Bestand hat? 

Um dies gut zu bewältigen, müssen Teams Erfolgskriterien in einfacher Sprache definieren. Ein Erfolgskriterium könnte lauten: „Mindestens 80 % der Klassen berichten von weniger Lärm während der Pausen“, oder „Das Regal zum Teilen von Lebensmitteln wird zwei Wochen lang jeden Tag sicher und ordentlich aufgefüllt“. Einfache Messung am Anfang des und Folgemessungen am Ende des Projekt helfen Vermutungen zu vermeiden: Wenn ihr beispielsweise zwei Tage vor der Aufräumaktion und zwei Tage danach den Müll zählt, könnt ihr mit größerer Sicherheit sagen, ob die Veränderung tatsächlich stattgefunden hat. Belege müssen nicht kompliziert sein; sie müssen lediglich ehrlich und wiederholbar sein. Mit der Zeit fördert das Erlernen der Sammlung kleiner Belege das kritische Denken und macht  eure Handlungsvorschläge für Schulleitung und Familien überzeugender (UNESCO, 2021).

Projekte sind außerdem von Dauer, wenn sie realistisch sind: Sie sollten mit klaren Rollen und unter Berücksichtigung von Zeit und Ressourcen gestaltet werden. Dass Rollen wichtig sind, zeigt sich in der Forschung zur Zusammenarbeit zwischen Jugendlichen und Erwachsenen. Studien belegen, dass junge Menschen Fähigkeiten entwickeln, um bessere Bürger zu werden, wenn Erwachsene Verantwortung teilen, ihnen konkrete Aufgaben übertragen und ihre Meinungen ernst nehmen - und dass sie zudem länger an Projekten festhalten (Zeldin et al., 2013). Ihr könntet beispielsweise ein rotierendes „Green Team“ zur Betreuung von Recyclingstationen oder eine „Freundlichkeitsgruppe“ zur Betreuung neuer Schüler einrichten. Die Einbindung von Projektaufgaben in den Schulalltag (zum Beispiel jeden Freitag in der letzten Stunde oder in den ersten zehn Minuten nach dem Mittagessen) sorgt dafür, dass das Projekt am Laufen bleibt (UNESCO, 2021; Europarat, 2018).

Schließlich ist es wichtig, nicht nur über Ergebnisse, sondern auch über das Lernen selbst nachzudenken. Vergesst nie, zu fragen: „Was hat funktioniert und warum?“, „Was hat uns überrascht?“ und „Was werden wir beim nächsten Mal verbessern?“. Untersuchungen zum sozial-emotionalen Lernen zeigen, dass Projekte mit strukturierter Reflexion fächerübergreifend bessere Ergebnisse erzielen (Durlak et al., 2011). 

Kurz gesagt: Nachhaltiger Wandel entsteht durch sorgfältige Planung, respektvolle Partnerschaft, nachweisbare Ergebnisse und einfache Routinen, um die Arbeit voranzutreiben. Das sind dieselben Zutaten, die Demokratie auf jeder Ebene vertrauenswürdig machen - vom Klassenzimmer bis zum Kontinent (UNESCO, 2021; Europarat, 2018; Vereinte Nationen, 2015).

Abbildung 6: Der Veränderungszyklus.

Diagramm mit Text