Lernmaterial
3. Ethik, Sicherheit und Inklusion
Sicherheit, Ethik und Inklusion: Diese drei Begriffe sind keine vagen Ideen, sondern praktische Regeln, die sozialen Aktivismus leiten sollten.
Zuerst Sicherheit.
Wir müssen stets darauf achten, dass unsere Handlungen, die anderen helfen sollen, niemals Schaden anrichten. Bei ethischem Aktivismus geht es um Ehrlichkeit (niemals Unwahres oder Ungenaues zu erzählen), Diskretion (um Erlaubnis zu bitten, bevor man das Bild oder gar die Worte einer Person teilt) und Sicherheit (vorsichtig damit umzugehen, welche Informationen man z.B. online preisgibt). In Europa sind Datenschutz und Privatsphäre wichtig, weshalb die Vorschriften streng sind: Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) legt fest, wie wir mit personenbezogenen Daten (wie Namen, Fotos oder Kontaktdaten) umgehen sollen und auf welche Weise wir diese sammeln, speichern und weitergeben dürfen (Europäische Union, 2016). Für Schüler bedeutet das einfache, aber verpflichtende Regeln, wie zum Beispiel, immer erst um Erlaubnis zu fragen, bevor man ein Foto macht und veröffentlicht, z.B. nur Vornamen oder Rollen zu verwenden statt voller Namen, wenn der Lehrer dies bevorzugt, Kontaktdaten stets vertraulich zu behandeln und sich immer bei einem Lehrer zu erkundigen, bevor man etwas veröffentlicht, das Mitschüler betrifft. Diese Schritte schützen deine Freund*innen und auch dich selbst. Wenn du sie oft genug anwendest, werden sie zu Gewohnheiten, die gut für dich sind. Stell dir das wie Hygiene vor… nur für Daten!
Dann die Ethik.
Ethik ist ein großes Wort, das die Regeln im Umgang mit anderen beschreibt: was eine Person für richtig und was für falsch hält. Wichtig ist, dass Ethik auch umfasst, wie wir mit Menschen umgehen, die wir nicht kennen sind oder eine andere Meinung haben als wir. Eine ethische Kampagne ist besser und stärker, nicht nur, weil Aktivist*innen dem Ideal guten demokratischen Verhaltens folgen (die abstrakte Seite), sondern auch, weil sie anderen Menschen respektvoll zuhören (die praktische Seite). Zuhören hilft, Lösungen zu finden, die realistisch sind und die alle akzeptieren können (Europarat, 2018; UNESCO, 2021).
Wenn ihr beispielsweise den Lärm auf dem Schulflur reduzieren wollt, ist es hilfreich, zunächst zu fragen, warum der Lärm entsteht, bevor ihr Lösungen vorschlagt: Halten sich die Schüler*innen auf den Fluren auf, anstatt auf den Schulhof zu gehen? Entsteht ein Gedränge, weil alle Schüler*innen gleichzeitig hinausgehen wollen? Schreien die Schüler*innen, weil sie sich im Klassenzimmer nicht gehört fühlen? Dieselben ethischen Regeln gelten auch online: Verwendet höfliche Sprache, vermeidet persönliche Angriffe, und wenn ihr die Ideen anderer nutzt, weist auf deren Urheber hin.
Und zu guter Letzt: Inklusion.
Theoretisch bedeutet Inklusion, dass jeder dazugehört und sich sinnvoll einbringen kann. In der Praxis bedeutet es, Projekte so zu gestalten, dass Schüler*innen mit unterschiedlichen Stärken einen Beitrag leisten können. Manche schreiben, zeichnen oder nehmen lieber Tonaufnahmen auf; andere haben Freude daran, auf Menschen zuzugehen, Materialien zu organisieren oder Präsentationen zu halten; wieder andere übernehmen gerne die Teamleitung oder kümmern sich um Probleme, die während des Projekts auftreten.
Im Allgemeinen planen gute Teams die Rollen so, dass die Talente jeder Person genutzt werden und niemand ausgeschlossen wird. Inklusion bedeutet auch, darüber nachzudenken, wer als Erstes von einer Veränderung profitiert. Wenn eure Schule Bäume für Schattenplätze pflanzt, ist es vielleicht fair, mit den heißesten, unangenehmsten Bereichen zu beginnen, anstatt mit den bereits angenehmen. Wenn in einer Schule Dinge zum Besseren verändert werden, hilft das dann einigen Jahrgangsstufen mehr als anderen?
Schließlich bedeutet Inklusion auch, dass Aktivisten darauf achten müssen, niemanden versehentlich auszuschließen! Wenn ein Plakat zum Thema Freundlichkeit winzige Schrift und Farben verwendet, die sich nicht voneinander unterscheiden lassen, können manche Mitschüler*innen es möglicherweise nicht gut lesen. Wenn ein Regal zum Teilen von Lebensmitteln zu hoch angebracht ist, könnte euer Projekt gegen Lebensmittelverschwendung am Ende Schüler*innen im Rollstuhl ausschließen, anstatt alle willkommen zu heißen!
Wenn all diese Regeln kompliziert erscheinen, denk daran: Um sozialen Aktivismus sicher, ethisch und inklusiv zu gestalten, kannst du dir drei einfache Regeln merken: (a) erst fragen, (b) freundlich sein, (c) alle einbeziehen.
Abbildung 3: Das Sicherheitsnetz des sozialen Aktivismus.
