3. Aktuelle Herausforderungen der EU

3.6. Digitale und technologische Kluft

Digitale Kluft“: ist ein Begriff, der eine Ungleichheit zwischen EU-Bürger*innen in Fragen von technologischem Geräten und Fortschritt allgemein beschreibt. Beispielsweise beim Zugang zu technischen Geräten und zum Internet, bei digitalen Kompetenzen und Orientierung im Internet, und bei Technologien zur Erreichung von Zielen und zur Bewältigung von Aufgaben zu nutzen. 

Diese digitale Kluft stellt eine Herausforderung für den sozialen Zusammenhalt und die gleichberechtigte Teilhabe an der digitalen Gesellschaft dar.

Die EU unternimmt Versuche, um die digitale Kluft durch politische Maßnahmen und Finanzmittel zu verringern, wie beispielsweise den Aktionsplan für digitale Bildung (DEAP) und den Rahmenplan „Digitales Jahrzehnt 2030“ (EDD2030).

Die digitale Kluft zeigt sich auf drei Hauptebenen:

  1. Erste Ebene „materieller Zugang“: Sind Geräte (Laptop, Computer, Tablet, Smartphone und andere) sowie eine Internetverbindung verfügbar?

  2. Zweite Ebene „Zugang zu Kompetenzen“: Wissen die Menschen, wie man digitale Werkzeuge nutzt?

  3. Dritte Ebene „Zugang zur Nutzung“: Welche Vorteile und Möglichkeiten haben die Menschen durch die Nutzung digitaler Technologien?

Digitale Ungleichheit geht über den physischen Zugang hinaus; sie beschreibt auch, wie oft und wie gut Menschen digitale Werkzeuge verwenden und welchen Nutzen sie daraus ziehen. Die EU strebt nicht nur an, dass Menschen einen Zugang zu Geräten und zum Internet haben, sondern auch, inklusive und menschenzentrierte digitale Strategien zu schaffen.

Digitale Ungleichheiten wirken sich auf die Bildung aus: 

  • Nicht alle Menschen haben den gleichen Zugang zu digitalen Geräten und Ressourcen. Dies hat sich besonders während der COVID-19-Pandemie gezeigt, als Schüler*innen und Lehrer*innen fast vollständig auf Online-Unterricht angewiesen waren und Ungleichheiten sichtbar wurden.  

  • Obwohl digitale Ungleichheit nichts Neues ist und weltweit existiert, hat die Pandemie die Digitalisierung beschleunigt und damit die Kluft sowohl zwischen als auch innerhalb der EU-Mitgliedstaaten vergrößert. 

Diese Herausforderung wurde durch den Aufstieg der künstlichen Intelligenz (KI) noch komplexer:

  • Während einige in der EU KI (künstliche Intelligenz) als Mittel zur Verringerung der digitalen Kluft und zur Förderung der Chancengleichheit betrachten, zeigen Forschungsergebnisse, dass die KI bestehende Ungleichheiten sogar noch verschärfen könnte (Kitsara, 2022). 

  • KI wird Teil fast aller Lebensbereiche, einschließlich der Bildung, und schafft sowohl Chancen als auch Risiken für die europäischen Gesellschaften. 

  • Diese Risiken erfordern eine genauere Betrachtung der digitalen Ungleichheit unter dem Gesichtspunkt einer sich abzeichnenden „KI-Kluft“ (Kitsara, 2022).

Ohne eine auf Fairness ausgerichtete Strategie könnte der ungleiche Zugang zu KI-Tools und -Systemen bildungsbezogene und soziale Ungleichheiten vertiefen. 

Es ist unerlässlich, dass die digitale Transformation der EU inklusiv und fair bleibt und sich an den Grundsätzen der sozialen Gerechtigkeit und der demokratischen Teilhabe orientiert.