Lernmaterial
| Website: | EuroCivic Lab Moodle |
| Kurs: | Das EuroCivic Student Toolkit (DE) |
| Buch: | Lernmaterial |
| Gedruckt von: | Guest user |
| Datum: | Freitag, 23. Oktober 2026, 21:54 |
1. Einleitung
Dieses Handbuch zeigt euch Schülern (im Alter von 13 bis 15 Jahren), wie ihr die „Living Labs“-Methodik anwenden könnt: eine Denk- und Handlungsweise, die euch dabei hilft, euren Schulalltag auf kleine, aber wirkungsvolle Weise zu verändern. Gleichzeitig wird dieses Handbuch euch dabei helfen, euch nicht nur als Schüler zu sehen, sondern als zukünftige europäische Bürger! Ihr werdet lernen, wie kleine Schritte positiver Veränderung (z. B. an eurer Schule) letztendlich das große Ganze (z. B. Europa) positiv verändern können! Schließlich werdet ihr erkennen, wie „Living Labs“ und die europäische Identität durch eine Reihe von 27 globalen Regeln für positiven Wandel miteinander verbunden sind – die sogenannten 27 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs).
Ein Living Lab ist eine Art des Lernens durch Handeln … und dieses Handeln sieht oft wie soziales Engagement aus! Das bedeutet: gemeinsam mit anderen daran zu arbeiten, Dinge zum Besseren und zum Wohle aller zu verändern. In einem Living Lab konzentrierst du dich als Schüler*in zunächst auf ein echtes Problem in deinem schulischen Alltag; das kann eine laute Cafeteria sein, zu viel Müll auf dem Schulhof oder Schüler*innen, die sich von Aktivitäten ausgeschlossen fühlen. In einem Living Lab sprichst du gemeinsam mit deinem Team mit den am Problem beteiligten Personen, überlegst dir Lösungen, testest eine einfache Version, sammelst Feedback und reflektierst darüber – und versuchst es dann erneut! Dieser Kreislauf aus Ausprobieren – Lernen – Verbessern ähnelt, wie du in diesem Handbuch entdecken wirst, der wissenschaftlichen Methode, was auch der Grund für den etwas ungewöhnlichen Namen dieser Methode ist: Living Labs. Es handelt sich dabei eigentlich um eine Denk- und Handlungsweise, aber statt in einem wissenschaftlichen Labor wendest du sie im sozialen Umfeld an! Dein „Labor“ ist deine Gemeinschaft – und in deinem Fall deine Schule!
Gleichzeitig geht es bei Living Labs auch um europäische Werte, um eure europäische Identität – nicht um einen tatsächlichen Ausweis, sondern um ein Zugehörigkeitsgefühl, so als ob die Europäische Union für euch so wichtig wäre wie ein Zuhause. Die Europäische Union basiert auf Ideen wie Solidarität, Gleichheit, Demokratie und auch der Achtung der Vielfalt; ihr werdet diese Werte kennenlernen, denn wenn ihr „innerhalb“ eines Living Labs arbeitet, lebt ihr genau diese Werte vor: Ihr hört anderen zu, ihr teilt eure Entscheidungen mit allen Interessierten, ihr bezieht unterschiedliche Stimmen mit ein und versucht ganz allgemein, eure Schule gerechter und offener zu gestalten. Das bedeutet es, ein aktiver europäischer Bürger zu sein: nicht nur deine Rechte und Werte zu kennen, sondern sie im Alltag anzuwenden, um zu handeln und Dinge zu verbessern!
Das Handbuch vermittelt euch, was europäische Identität bedeutet, indem es den sozialen Aktivismus jedes Living-Lab-Projekts mit den 27 SDGs (den von Ländern weltweit vereinbarten globalen Zielen) verknüpft. Wenn ihr beispielsweise Lebensmittelverschwendung reduziert, unterstützt ihr das SDG 12 (Verantwortungsvoller Konsum und Produktion); wenn ihr euch für Inklusion einsetzt, tragt ihr zum SDG 10 (Verringerung von Ungleichheiten) bei; wenn ihr einen Ort in eurer Schule oder eurer Nachbarschaft nachhaltig verbessert, knüpft ihr an das SDG 11 (Nachhaltige Städte und Gemeinden) an. Auf diese Weise wirst du erkennen, dass dein Schulprojekt – egal wie klein es auch sein mag – letztendlich immer Teil eines größeren „Ganzen“ positiver Veränderungen ist. Die 27 SDGs sind für die Europäische Union von großer Bedeutung, und deshalb sollte das gesellschaftliche Engagement jedes Einzelnen mehr oder weniger denselben 27 Wegen folgen: Unsere Stärke als Bürger wächst, weil wir alle auf gemeinsame Ziele hinarbeiten!
1.1. Ziele und Lernergebnisse
Modulziele
Dieses Modul befasst sich damit, wie Living Labs, die europäische Identität und die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) zusammenhängen. Es wird dir helfen, deine Schulprojekte als mehr als „nur Hausaufgaben“ zu betrachten: Diese Projekte bieten dir eine echte Chance, dich als aktiver, verantwortungsbewusster junger Europäer zu beweisen! Dieses Modul befasst sich mit der Living-Lab-Methode als einem Ansatz, um Probleme zu verstehen, Lösungen zu testen und deine Ideen immer wieder zu verbessern – und um deine lokalen Aktionen mit übergeordneten europäischen Zielen und Werten zu verknüpfen.
Dieses Handbuch verfolgt folgende Ziele:
a. Euch dabei zu helfen, die grundlegenden Schritte und wichtigsten Regeln eines Living Labs (entdecken, Prototyp entwickeln, Pilotprojekt durchführen, reflektieren, wiederholen) sowie den Zusammenhang zwischen Living Labs, bürgerschaftlichem Engagement und wissenschaftlichem Denken kennenzulernen.
b. Dir zu helfen, zu verstehen, was europäische Identität in unserem Alltag bedeutet – Werte wie Solidarität, Inklusion und Demokratie; warum es wichtig ist, sich unserer europäischen Identität bewusst zu sein; auf welche Weise ein Living Lab es dir ermöglicht, europäische Werte gemeinsam mit anderen zu leben.
c. Ihnen zu zeigen, wie Ihre Schulprojekte mit einem oder mehreren SDGs verknüpft werden können; Ihnen zu verdeutlichen, dass lokales Handeln den globalen Wandel unterstützt.
d. Euer Selbstvertrauen, eure Kreativität und vor allem euer Handlungsbewusstsein (das Gefühl: „Ich kann handeln, und es macht einen Unterschied!“) als junge Bürger*innen zu stärken; zu lernen, wie man zusammenarbeitet, zuhört und Argumente auf der Grundlage von Fakten – und auch auf der Grundlage der richtigen Werte – vorbringt.
Lernziele des Moduls
Am Ende dieses Moduls solltet ihr in der Lage sein:
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Erläutern (in eigenen Worten): Was ist ein Living Lab? Was sind europäische Identität und europäische Werte? Was sind die SDGs? Wie hängen diese drei Konzepte (Living Labs, europäische Identität und Werte sowie SDGs) in euren Schulprojekten zusammen?
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Verstehen: Wie kann die Arbeit in einem Living Lab Zugehörigkeitsgefühl („das ist unsere Schule“), Solidarität und Fairness fördern? Wie kann das Sammeln von Belegen (z. B. Umfragen, Zählungen oder Fotos) euch helfen, bessere und ehrlichere Entscheidungen zu treffen?
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Anwenden und nutzen: Die Schritte eines Living Labs helfen euch dabei, ein kleines Projekt an eurer Schule zu entwerfen und durchzuführen. Sie helfen euch, klar zu erkennen, wie eure Maßnahmen mit mindestens einem europäischen Wert (z. B. Inklusion oder Demokratie) zusammenhängen, wenn sie mit mindestens einem SDG (z. B. Abfallvermeidung oder Verbesserung des Wohlbefindens) verknüpft sind.
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Vergleichen und zusammenfassen: Welche verschiedenen Arten von Living-Lab-Projekten gibt es (Öko-Schule, soziale Gerechtigkeit, Brückenbau zwischen Gemeinschaften)? Wie kannst du Ideen aus diesen Projekten kombinieren, um ein Projekt zu entwerfen, das den Bedürfnissen deiner eigenen Schule entspricht?
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Begründen: Wie rechtfertigst du deine Entscheidungen anhand von Belegen (was ist im Pilotprojekt tatsächlich passiert) und Werten (warum ist dies für Fairness, Nachhaltigkeit oder die Gemeinschaft wichtig)? Wie präsentierst du deine Ideen anderen gegenüber klar und deutlich?
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Kritisch analysieren: Stelle kritische Fragen zu deinem Projekt. Wer wurde einbezogen oder ausgeschlossen? Hast du die Einwilligung und die Privatsphäre respektiert? Ist dein Projekt langfristig tragfähig? Trägt es dazu bei, dass du und deine Gemeinschaft stärker werden? Macht es dich zu einem verantwortungsbewussteren europäischen Bürger (indem du auf die SDGs hinarbeitest)?
2. Was ist ein Living Lab?
Ein Living Lab ist eine Methode, um reale Probleme gemeinsam mit den Menschen zu lösen, die täglich damit leben. Anstatt Ideen weit entfernt auf dem Papier zu entwickeln, lädt ein Living Lab Schüler*innen, Lehrkräfte, Familien, lokale Expert*innen und Entscheidungsträger*innen dazu ein, Lösungen gemeinsam zu entwickeln und an den realen Orten zu testen, an denen das Leben stattfindet – auf eurem Schulhof, in eurer Cafeteria, an eurer Bushaltestelle, auf eurer Straße. Stellt euch das wie einen einfachen Kreislauf vor, der sich wiederholt: den Bedarf erkennen, einen Prototyp einer Idee entwickeln, diesen in kleinem Rahmen testen, Erkenntnisse sammeln und dann das, was funktioniert, anpassen und ausweiten. Jeder Schritt ist klein und sicher, und jede Runde lehrt euch etwas Neues, um die nächste Runde zu verbessern (Bergvall-Kåreborn & Ståhlbröst, 2009; ENoLL, o. J.). (Die Schritte des Prozesses wurden bereits in Modul 5 behandelt, werden aber im Folgenden, in diesem Modul, noch ausführlicher erläutert.)
Ein Living Lab kann ein „Werkzeug“ sein, um Lösungen für Probleme zu entwickeln, die (i) schülerorientiert, (ii) spielerisch und (iii) kostengünstiger sind. Warum sollten Schüler nur durch traditionelle, lehrergeführte Methoden lernen, wenn sie tatsächlich am Lernprozess selbst teilnehmen können? Und warum traditionelle Methoden wie Vorträge und Hausaufgaben nutzen, wenn man sie durch kreative Experimente ersetzen kann? Und schließlich: Warum teure Ausrüstung für die Schule anschaffen, wenn es eine kostenlose und unterhaltsame Alternative gibt? Hier ist ein Beispiel dafür, wie ein Living Lab bei der Lösung des Problemfalls eines langweiligen Schulhofs funktionieren könnte.
Living-Lab-Beispiel: Ein langweiliger Schulhof
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Problem? |
à à |
Die Schüler stellen fest, dass der Schulhof langweilig wirkt und zu wenig genutzt wird. |
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Lösung! |
àX!!! |
Investiere Geld in ein umfassendes Landschaftsbauprojekt, um einen unterhaltsamen, ansprechenderen Schulhof zu schaffen. |
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à à |
Living Lab! |
Es gibt bessere Lösungen, als den Schulleiter und die Lehrer zu bitten, gemeinsam mit Architekten und Ingenieuren eine Lösung für die Gestaltung des Schulhofs zu erarbeiten – was bedeuten würde, Geld für das Projekt auszugeben, das für andere wichtige Belange der Schule verwendet werden könnte. Eine kostengünstige und schülerorientierte Lösung wäre der „Living Lab“-Ansatz: Die Schüler werden gebeten, durch Spielen und Experimentieren eine Lösung zu entwerfen und dabei Neues zu lernen. Dies würde in den folgenden Schritten geschehen.
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Beobachten: Die Nutzung des Schulhofs durch die Schüler verfolgen. (Wann: vor Schulbeginn, in den Pausen, nach dem Mittagessen; wo, was und wie).
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Diskutieren: Kurze Gespräche führen (mit Mitschülern, Lehrern, dem Schulleiter) darüber, was sie gerne verändert sehen würden. (Schatten? Sitzgelegenheiten? Spielplatz? Kunst? Pflanzen?)
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Vorschlagen: Brainstorming zu kleinen, kostengünstigen Ideen wie dem Aufstellen einiger Bänke, dem Pflanzen von Blumen in recycelten Behältern oder dem Malen eines Wandgemäldes.
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Prototyp: Probiert zunächst eine Idee aus – richtet eine Woche lang einen „Pop-up“-Sitzbereich mit ausgeliehenen Stühlen ein.
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Umsetzung: Ermutigen Sie die Schüler, den Bereich zu nutzen, und sammeln Sie Feedback.
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Reflexion: Messen Sie den Erfolg, indem Sie notieren, wie viele Schüler dort Zeit verbringen, oder indem Sie kurze Umfragen durchführen.
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Entscheiden: Behalten Sie die Ideen bei, die funktioniert haben (vielleicht die Bänke und das Wandbild), und planen Sie den nächsten kleinen Schritt.
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Wiederholen!
Zwei Dinge sind wichtig, die man bei der Living-Lab-Mentalität beachten sollte:
Wichtiger Punkt Nr. 1: Living Labs funktionieren durch Wiederholung!
Der beste Weg, etwas zu lernen, ist, es zu wiederholen. Und genau wie beim Sport oder beim Üben eines Musikinstruments trainieren die Schüler durch Wiederholung ihr Denkvermögen! Außerdem ist Wiederholung wichtig – wie wir unter „Wichtiger Punkt Nr. 2“ sehen werden –, damit die Schüler nicht den Druck verspüren, alles gleich beim ersten Mal richtig machen zu müssen!

Wichtiger Punkt Nr. 2: Living Labs ersetzen den Begriff „Misserfolg“ durch das Wort „Kreativität“!
Kreativität kann als ein anderes Wort für „Problemlösung“ betrachtet werden! (Haavold & Sriraman, 2022) Kreativ zu sein bedeutet oft, den cleversten (und manchmal auch den lustigsten!) Weg zu finden, um ein Problem zu lösen. In einem Living Lab findet die „Reflexionsphase“ jedes Zyklus statt, wenn man versucht, zu verstehen, was verbessert werden kann – und da Living Labs mit Zyklen arbeiten, findet eine kontinuierliche Verbesserung statt, bis die Idee perfektioniert ist. Wenn also bei einem Projekt etwas schiefgeht, bedeutet das nicht, dass das Projekt gescheitert ist, sondern nur, dass etwas Reflexion nötig ist, damit das Projekt noch stärker und besser wird!
🧠
Living Labs sind nicht nur ein einzelnes Projekt; sie sind eine Arbeitsweise, die europaweit angewendet wird. Schulen, Universitäten, Städte und Bürgerinitiativen schließen sich zu Netzwerken zusammen, in denen sie ihre Methoden, ihre erfolgreichsten Praktiken und auch die Dinge austauschen, die eigentlich funktionieren sollten, es aber nicht taten. Auf diese Weise lernen die Teams aus den Erfolgen und Fehlern der anderen; das ist schließlich die Philosophie der Living Labs! Das Europäische Netzwerk der Living Labs (kurz ENoLL) hilft den Mitgliedern dabei, ihre Ansätze zu vergleichen, „Werkzeuge“ auszutauschen und Kompetenzen für die Zusammenarbeit aufzubauen. In der Forschung zu Living Labs werden diese als nutzerzentrierte (in einer Schule würde das bedeuten: schülerzentrierte!), offene und praxisnahe Innovationsumgebungen beschrieben, in denen Menschen dabei helfen, Lösungen für Probleme zu entwerfen und diese Lösungen anschließend zu testen, sodass das Endergebnis nützlicher ist und dabei Vertrauen entsteht (Bergvall-Kåreborn & Ståhlbröst, 2009; Leminen, Westerlund & Nyström, 2012).
Die Kernidee hinter Living Labs ist ganz einfach: Man kann seine Gemeinschaft in kleinen, bedächtigen und wiederholbaren Schritten gestalten. Man sollte und darf nicht versuchen, alles auf einmal zu lösen. Stattdessen wendet man die im Unterricht erlernten bürgerschaftlichen Kompetenzen – Hinterfragen, Sammeln von Belegen, Reflexion und Teamarbeit – auf konkrete Probleme an (das heißt, man kann sie sehen und spüren). Durch Living Labs wird die Schule nicht nur zu einem Ort des Lernens, sondern zu einem Ort, an dem Veränderungen stattfinden und an dem der Beitrag jedes Einzelnen zählt (ENoLL, o. J.; Bergvall-Kåreborn & Ståhlbröst, 2009).
Es gibt einen Grund, warum ein Living-Lab-Projekt so benannt wurde, und dieser hilft uns, uns sowohl an den Namen der Methode als auch an ihre eigentliche Bedeutung zu erinnern: Das Living Lab ist eng mit der wissenschaftlichen Methode verbunden und funktioniert genau so, wie ein echtes Labor (etwa ein Biologie- oder Chemielabor) funktionieren würde! Den Unterschied zwischen einer Idee einerseits und der Durchführung eines wissenschaftlichen Experiments andererseits beschrieb einer der größten Wissenschaftler aller Zeiten, Isaac Newton. Newton lehrte die Menschheit, dass sich die Arbeit eines Wissenschaftlers – jedes Wissenschaftlers – auf einige wenige wichtige, wiederholbare Schritte reduzieren lässt (siehe Abbildung unten; Newton, 1999). Die Idee hinter Living Labs ist dieselbe; der einzige Unterschied besteht darin, dass Living-Lab-Experimente in der Regel keine Laborgeräte erfordern: Es geht lediglich darum, unsere Schule zu einem besseren Ort zu machen!
Die wissenschaftliche Methode.
3. Vom Klassenzimmer zur Problemlösung in der Praxis
Die Umsetzung einer Idee aus dem Klassenzimmer in eine funktionierende Veränderung folgt einem „Lernen-durch-Tun“-Zyklus. Das sieht dem Naturwissenschaftsunterricht sehr ähnlich, denn es ist Wissenschaft: Man stellt eine Hypothese auf („Wir glauben, dass das helfen wird“), probiert es aus, schaut, was passiert, und versucht, es zu verbessern. Mit anderen Worten: Die Living-Labs-Methodik lehrt euch, kleine Experten in der Wissenschaft der Schaffung positiver Veränderungen zu werden!
Doch Living Labs und ihre Methodik theoretisch zu beschreiben, ist nicht dasselbe wie sie in die Praxis umzusetzen. Hier sind die Phasen eines Living Labs in alltäglicher Sprache beschrieben, zusammen mit den Herausforderungen, die dabei auftreten können.
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Entdeckung (Was wird benötigt?)
Beginnen Sie damit, die Betroffenen zu befragen und hören Sie sich ihre Geschichte oder Meinung respektvoll an. Bevorzugen Sie kurze Interviews und schnelle Umfragen sowie Fragen, die sich einfach beantworten lassen. „Wann war das Problem am schlimmsten?“, oder „Haben Sie schon etwas ausprobiert?“, oder „Wie würde eine Verbesserung für Sie aussehen?“ In einem Living Lab geht es in der Entdeckungsphase nicht darum, gute Ideen zu entwickeln: Es ist ein Schritt davor – es ist die Grundlage für gute Ideen, bei der es darum geht, die Bedürfnisse gut genug zu verstehen, um etwas vorzuschlagen, das andere für einen Versuch wert halten (Bergvall-Kåreborn & Ståhlbröst, 2009). Wenn Müll in der Nähe des Spielplatzes ein Problem darstellt, sprechen Sie mit Schülern und Reinigungskräften darüber, warum das so ist, fragen Sie, welche Mülleimer zuerst überlaufen und wann, und fragen Sie, ob es Tage gibt, an denen der Spielplatz sauberer ist.
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Prototyping (Erstellen Sie eine kostengünstige Version, auf die reagiert werden kann)
Ein Prototyp ist die kleinste, kostengünstigste Version, die Menschen testen und zu der sie Feedback geben können. Das kann ein Papierschild mit Flurregeln sein, ein Pappmodell eines neuen Mülleimer-Etiketts, eine einfache Änderung im Stundenplan oder eine Skizze einer App-Oberfläche. Das Ziel ist nicht Perfektion, sondern schnell aus den Reaktionen der Menschen zu lernen: Was verstehen sie, was verwirrt sie, was passt tatsächlich in den Raum oder in den Stundenplan? Eine gute Faustregel: Wenn man es in einer Unterrichtsstunde erstellen kann, hat es wahrscheinlich die richtige Größe für einen ersten Test (Leminen et al., 2012). Achten Sie darauf, dass beim Prototyping nicht der Perfektionismus die Oberhand gewinnt! Denken Sie daran: Der Prototyp muss nicht perfekt sein; er dient dazu, den Nutzern eines Living Labs ein klareres Bild davon zu vermitteln, was sie erreichen wollen und wie die Menschen darauf reagieren werden.
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Pilotphase (Führen Sie einen kurzen Test mit einem einfachen Erfolgskriterium durch)
Wählen Sie eine klare Kennzahl, die jeder versteht. Zum Beispiel: „Wie viele Tabletts mit Essen wurden verschwendet?“, oder: „Wie hoch ist der durchschnittliche Lärmpegel während des Mittagessens?“, oder: „Wie viele Schüler nutzen monatlich die Schulbibliothek?“ Führen Sie den Pilotversuch in einem Klassenzimmer, in einer Ecke der Cafeteria oder an einem Eingang durch; der Pilotversuch sollte klein, sicher und zeitlich begrenzt sein (in Schulen in der Regel ein bis zwei Wochen). Halten Sie die Ergebnisse in einer Log-Tabelle fest, damit sie sichtbar sind. Wenn der Pilotversuch hilft, feiern Sie den Erfolg und planen Sie die nächste Runde. Wenn es nicht funktioniert, betrachten Sie es als nützliche Daten und nicht als Misserfolg, denn nun wissen Sie, was nicht funktioniert, und können Anpassungen vornehmen, um bessere Ergebnisse zu erzielen (Bergvall-Kåreborn & Ståhlbröst, 2009; Leminen et al., 2012).
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Nachhaltigkeit unter Berücksichtigung von Rahmenbedingungen (Zeit, Geld, Vorschriften)
Schulen und Städte unterliegen realen Einschränkungen: Budgets, Sicherheitsvorschriften, Zeitpläne und Instandhaltungsbedarf – und ein Living Lab muss diese von Anfang an berücksichtigen. Weisen Sie bestimmten Personen konkrete Rollen zu, damit niemand Zweifel daran hat, was er zu tun hat (legen Sie beispielsweise im Voraus fest, wer jeden Morgen alle Schilder neu aufstellt, wer den Vorrat auffüllt, wer Interviews führt usw.). Sie müssen auf Nachhaltigkeit achten (ein schickes Wort für ein Projekt, das es schafft, lange zu bestehen und Bestand zu haben), wenn Sie möchten, dass Ihre Idee über den anfänglichen Energieschub und die anfängliche Begeisterung hinaus Bestand hat. Ein guter Weg, um die Nachhaltigkeit Ihres kleinen Pilotprojekts sicherzustellen, besteht darin, es mit größeren Plänen zu verknüpfen: Viele europäische Städte verfügen über Klima-, Gesundheits- oder Inklusionsstrategien, und die EU verfolgt jedes Jahr die Fortschritte bei den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs). Wenn Sie sich bei der Planung die Zeit nehmen, Ihr Pilotprojekt mit einem SDG zu verknüpfen (wie beispielsweise SDG 3 „Gesundheit und Wohlergehen“, SDG 11 „Nachhaltige Städte und Gemeinden“ oder SDG 12 „Verantwortungsvoller Konsum und Produktion“), treten Sie einerseits in die Fußstapfen anderer erfolgreicher Projekte, was die Chancen Ihres eigenen Projekts auf ein langes „Leben“ erhöht, und zeigen den Menschen andererseits, dass selbst ein kleines Schulprojekt in ein größeres Gesamtbild des Wandels passt (Europäische Kommission, Eurostat, 2020; UNESCO, 2021).
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Wiederholen (und wiederholen, und wiederholen…)
Die Grundlage der Living-Labs-Methodik besteht darin, dass Iteration (ein ausgefallenes Wort für Wiederholung) immer besser ist als Raten. Vor allem, wenn die Iteration nicht automatisch erfolgt, sondern mit schrittweiser Anleitung und aktiver Reflexion über die eigenen Ideen einhergeht (Reflexion beispielsweise durch Notizen, Brainstorming oder Diskussionen). Forscher beschreiben Living Labs als offene Innovationsnetzwerke, da viele Akteure (Schüler*innen, Lehrkräfte, Familien, städtische Dienste, NGOs) ihre Ideen austauschen, diese in realen Umgebungen testen und gemeinsam lernen. Im Laufe der Zeit entstehen durch dieses kollektive Lernen Lösungen, die effektiver sind, ein besseres Design aufweisen, besser akzeptiert werden und sich leichter auf größere oder kleinere Umgebungen skalieren lassen (Leminen et al., 2012). Dank Institutionen wie dem European Network of Living Labs und generell dank aller Bemühungen, Living-Lab-Projekte zu dokumentieren, können Nutzer aus früheren erfolgreichen Projekten lernen.
Hier ist ein Beispiel für ein Living Lab, damit sich die Schüler*innen ein klares Bild davon machen können, wie es aussehen würde – aufgeschlüsselt in einzelne Schritte.
Beispiel für ein Living Lab: Reduzierung von Lebensmittelabfällen
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Problem? |
à à |
Die Schüler stellen fest, dass viele Tabletts mit nicht verzehrten Speisen, insbesondere Beilagen, zurückkommen. |
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Lösung! |
àX!!! |
Kauft verschiedene Arten von Essen, die teurer oder leckerer sind. |
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à à |
Living Lab! |
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Ein Hinweis zur Ethik und insbesondere zu drei Aspekten, die auch bei kleinen Pilotprojekten stets erforderlich sind: Einwilligung (die Teilnehmenden müssen ihrer Teilnahme zustimmen), Datenschutz (Daten, die mit einer Person in Verbindung gebracht werden können, dürfen niemals öffentlich weitergegeben werden) und Inklusion (es muss stets berücksichtigt werden, wer möglicherweise von der Hilfe ausgeschlossen wird und wie man diese Personen einbeziehen kann!)
Letztendlich gelten für ein Living Lab innerhalb einer Schule dieselben Regeln und Methoden wie außerhalb einer Schule! Der Wert von Living Labs liegt darin, dass sie so angepasst werden können, dass sie in größerem oder kleinerem Maßstab funktionieren; ebenso lassen sie sich an jedes Umfeld anpassen: von einer Schule über eine ganze Gemeinde bis hin zu einem Projekt, an dem verschiedene europäische Länder beteiligt sind! Genau wie in der Wissenschaft bleiben die Regeln unabhängig von Ort und Situation dieselben. Im nächsten Unterkapitel wirst du sehen, wie Living Labs immer mit viel größeren Zielen des Wandels verbunden sind.
4. Identität durch Teilhabe
Bei Aktivismus und Living Labs geht es nicht nur darum, Probleme zu lösen; es geht darum, den Schülern beizubringen, was es bedeutet, ein aktiver europäischer Bürger zu sein. Doch wie genau tragen europäische Ideen (wie Zusammenarbeit, Reflexion, Handeln und Wiederholung) letztendlich zur Stärkung der europäischen Identität bei? Der Zusammenhang mag nicht auf den ersten Blick ersichtlich sein, aber sobald man ihn erkennt, ist er nicht mehr zu übersehen, und er hilft zu verstehen, warum Living Labs eine wichtige Methodik sind.
Erstens zwingt ein Living Lab die Schüler dazu, nach gemeinsamen Werten zu handeln. Konkret basiert die europäische Identität auf Werten wie Solidarität, Gleichheit und Demokratie, und wenn Schüler gemeinsam eine Lösung für ihre Gemeinschaft entwickeln, leben sie genau diese Werte vor. Die Teilnahme an einem Living Lab schafft Zugehörigkeitsgefühl („Das ist unsere Schule“), Solidarität („Wir helfen jedem, der Hilfe braucht“) und demokratisches Vertrauen („Wir entscheiden fair und halten unsere Versprechen!“). Das sind große Worte, aber die Schüler*innen können sie in kleinen Schritten erleben: zum Beispiel, indem sie sich auf einfache Regeln für das Pilotprojekt einigen, den Erfolg gemeinsam würdigen und einen Zeitplan einhalten, auch wenn es schwerfällt.
Ein weiterer wichtiger Aspekt von Living Labs – als Schnittstelle zwischen schulischem Engagement und europäischer Identitätsbildung – ist die Idee, lokale mit globalen Zielen zu verknüpfen. Ein Beispiel: Ein Projekt zum Wassersparen in der Schule steht in direktem Zusammenhang mit SDG 6 (Sauberes Wasser) und dem Europäischen Grünen Deal. Die Schüler*innen können sich ihre kleine lokale Aktion als Teil einer kontinentweiten Bewegung vorstellen. Der Rahmen ist hier das Wichtigste: Es geht nicht darum, dass die Schüler*innen in ihren Projekten mehr tun als sonst, sondern darum, zu erkennen, dass das, was sie tun, mit viel größeren Zielen verbunden ist als denen ihrer Schule.
Gleichzeitig steht im Zentrum des europäischen Geistes die Idee der Einheit in der Vielfalt. Die Zusammenarbeit in Living Labs mit Menschen unterschiedlicher Herkunft bestärkt sie darin, dass sie dieselben Ziele teilen. Doch Vielfalt bedeutet nicht nur unterschiedliche ethnische Zugehörigkeit oder Hautfarbe, sondern auch Schüler n verschiedenen Altersgruppen und Klassenstufen; sie kann Schüler und Lehrer oder Schüler und Mitglieder der Gemeinschaft umfassen. Sie kann auch bedeuten, die Rollen, die jeder Schüler in einem Living-Lab-Projekt einnimmt, zu wechseln. Die Schüler entdecken selbst, wie Vielfalt jedes wissenschaftliche Experiment voranbringt, denn jeder Schüler hat etwas beizutragen: eine Idee, die anderen entgangen ist, einzigartiges Wissen zu einem Thema oder eine bestimmte Fähigkeit, die anderen vielleicht fehlt (wie Organisationsgeschick, Führungsqualitäten oder Recherchefähigkeiten).
Untersuchungen zu Partnerschaften zwischen Jugendlichen und Erwachsenen zeigen: Immer wenn Letztere (die Erwachsenen) die Entscheidungsfindung mit Ersteren (den Jugendlichen) teilen, gewinnen die Jugendlichen Selbstvertrauen, Fähigkeiten und Motivation, einen Beitrag für ihre Gemeinschaften zu leisten. In diesen Partnerschaften sind die Jugendlichen keine „Helfer“ am Rande, sondern Mitgestalter, die dabei helfen, Probleme zu definieren und an Lösungen zu arbeiten. Studien zeigen, dass dieser Ansatz die sozialen und zivilgesellschaftlichen Kompetenzen junger Menschen stärkt und ihnen zudem hilft, sich selbst als Akteure des Wandels zu sehen (Zeldin, Christens & Powers, 2013). Die Teilnahme an einem Living Lab hilft Schülern zu sehen, wie ihre Ideen Gestalt annehmen, und gleichzeitig zu erkennen, dass ihre Ideen von Erwachsenen ernst genommen werden können – was eine bestärkende Erfahrung sein kann!
Die Teilnahme an einem Living-Lab-Projekt hilft den Schülern, wichtige Lebenskompetenzen aufzubauen – Kompetenzen, die sie zu besseren zukünftigen Bürgern machen können. Schüler*innen werden zu aktiven Bürger*innen, indem sie beispielsweise nicht mehr nur über Menschenrechte lesen, sondern tatsächlich Maßnahmen ergreifen, um schutzbedürftige Mitglieder ihrer Gemeinschaft zu schützen, oder indem sie nicht mehr nur über den Green Deal lesen, sondern sich aktiv für die Umwelt einsetzen. Sie entwickeln staatsbürgerliche Kompetenzen, das heißt, sie lernen, wie demokratische Systeme funktionieren, indem sie mit Mitgliedern der Kommunalverwaltung oder Schulbehörden zusammenarbeiten, um Dinge zum Besseren zu verändern.
Schließlich entwickeln die Schüler Handlungsfähigkeit: ein Selbstvertrauen, das daraus entsteht, dass sie ihre eigene Kraft und ihre Verantwortung als zukünftige Bürger wahrnehmen. Im Laufe vieler kleiner Zyklen verfestigt sich diese gelebte Erfahrung der Handlungsfähigkeit („Ich kann handeln – und es macht einen Unterschied!“). Sie prägt, wie die Schülerinnen und Schüler ihre Schule, ihre Stadt und ihr Land wahrnehmen. Außerdem werden dadurch Gewohnheiten aufgebaut, die Bestand haben und in der Gesellschaft im Allgemeinen sehr nützlich sind: erst zuhören, bevor man spricht, Respekt zeigen, auch wenn man anderer Meinung ist, sich auf Fakten stützen, seine Gründe darlegen und sich anpassen, wenn neue Informationen auftauchen. Das sind genau die Gewohnheiten, die starke Demokratien von ihren Bürgerinnen und Bürgern benötigen (UNESCO, 2021).
5. Fallbeispiele & Verhaltensregeln
In europäischen Schulen tauchen immer wieder ähnliche Living Labs auf, und diese Wiederholungen bilden Living-Lab-Muster, die man sich als bestimmte Arten von Living Labs vorstellen kann. Denken Sie daran, dass die unten vorgestellten Fallbeispiele nicht dazu dienen, Sie bei der Gestaltung eines Living Labs einzuschränken, das genau so aussieht wie diese. Vielmehr sollen diese Beispiele Ihre Fantasie anregen, indem sie Ihnen eine Vielzahl von Richtungen aufzeigen, die Sie mit der Living-Lab-Methodik einschlagen könnten; bereits erfolgreiche Projekte können als Wegweiser für Ihr eigenes Team dienen und Ihnen helfen, klügere „Schritte“ zu unternehmen, die Sie schneller an Ihr Ziel bringen und häufige Fallstricke vermeiden!
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Pilotprojekte an Öko-Schulen. Beispiele hierfür sind Energieeinsparungen (in Klassenzimmern werden verschiedene Möglichkeiten zur Reduzierung des Stromverbrauchs getestet) und Mülltrennung (Neugestaltung der Behälterbeschriftung, Anpassung der Behälteraufstellung oder Änderung des Zeitpunkts der Müllabfuhr). Die Teams erfassen eine einfache Kennzahl (wie den wöchentlichen Stromverbrauch in kWh oder die Füllrate der Behälter) und präsentieren die Ergebnisse bei Schulversammlungen oder auf einer Ausstellung im Flur. Diese Pilotprojekte stehen in einem klaren Zusammenhang mit den SDGs (wie SDG 7 „Bezahlbare und saubere Energie“ und SDG 12 „Verantwortungsvoller Konsum und Produktion“) und stimmen oft mit lokalen Klimaplänen überein. Netzwerke wie ENoLL teilen ähnliche Fallstudien aus Schulen und Städten, sodass Sie Ideen übernehmen und anpassen können (ENoLL, o. J.).
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Pilotprojekte zur sozialen Gerechtigkeit. Solche Projekte konzentrieren sich auf Barrierefreiheit (beispielsweise bessere Beschilderung, eine raumgestalterische Gestaltung der Klassenzimmer, die Rollstuhlfahrer unterstützt) oder die Einbindung durch Gleichaltrige (wie Begleitpersonen für neue Schüler, Regeln für Ruheräume oder Mentoring durch ältere Schüler sowie Unterstützungspläne). Eine einzige Messgröße sorgt dafür, dass das Pilotprojekt fokussiert bleibt (beispielsweise die Anzahl der Schüler, die täglich einen Ruheraum nutzen, oder eine kurze Befragung zum „Zugehörigkeitsgefühl“ mittels Ein-Frage-Interviews). Im Laufe der Zeit verfeinert das Team die erfolgreichen Ansätze und erstellt einen einfachen Plan zur Aufrechterhaltung der Maßnahmen, damit die Verbesserungen von Dauer sind (UNESCO, 2021; Leminen et al., 2012). Solche Pilotprojekte stehen im Zusammenhang mit dem SDG 4 „Hochwertige Bildung“ und dem SDG 10 „Weniger Ungleichheiten“.
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Pilotprojekte zur Brückenbildung zwischen Schule und Gemeinde. Hierbei handelt es sich um Aktivitäten, die Schule und Nachbarschaft miteinander verbinden: ein gemeinsamer Aufräumtag, eine Kartierungsaktion für sichere Schulwege oder eine gemeinsam mit der Stadtbibliothek gestaltete Mini-Ausstellung zur lokalen Geschichte. Diese Bemühungen sind zwar klein, aber sie stärken das Vertrauen zwischen Jugendlichen und Erwachsenen außerhalb der Schule und zeigen, wie das Engagement von Schülern die Ziele der Stadt unterstützen kann (Europäische Kommission, Eurostat, 2020; ENoLL, o. J.). Solche Bemühungen stehen im Zusammenhang mit SDG 17 „Partnerschaften für die Ziele“ und SDG 11 „Nachhaltige Städte und Gemeinden“.
Typische Modelle für Living-Labs in Schulen
Living Lab
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Schwerpunkt |
Beispiel |
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Öko-Schule |
Umwelt, Abfall, Energie |
Die Schüler entwerfen und testen ein System zur Stromeinsparung im Computerraum. |
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Soziale Gerechtigkeit |
Gerechtigkeit, Inklusion, Rechte |
Schüler führen eine Kampagne durch, um die Barrierefreiheit für Schüler mit Behinderungen auf dem Schulhof zu verbessern. |
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Gemeinschaftsbildung |
Verbindung zur lokalen Umgebung |
Die Schüler arbeiten mit einem örtlichen Gartenverein zusammen, um auf dem Schulgelände einen gemeinschaftlichen Gemüsegarten anzulegen. |
Living-Lab-Regeln: Was man nicht tun sollte!
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Überspringe niemals die Einwilligung oder den Datenschutz! (Informiere die Betroffenen immer über die Daten, die du erheben wirst, und hole die Einwilligung ein.)
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Entwerft nichts, was ihr nicht aufrechterhalten könnt! (Wenn eine Idee Geld erfordert oder die Hilfe von Erwachsenen, schraubt sie zurück oder ändert die Richtung.)
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Geht nicht davon aus, dass die erste Idee die beste ist! (Betrachtet Feedback als wertvolle Denkanstöße und nicht als Kritik.)
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Vergiss die Inklusion nicht! (Überlege dir, wer als Erstes von jeder positiven Veränderung profitiert, ob das fair ist und wer möglicherweise außen vor bleibt.)
Living-Lab-Regeln: Was du tun solltest!
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Entwickle Ziele gemeinsam mit den Betroffenen! (Bitte sie, das Problem mitzudefinieren und zu entscheiden, wie der Erfolg deines Projekts gemessen werden soll.)
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Fang klein an! (Führe ein Pilotprojekt in einer Klasse, einem Flur oder einer Woche durch und weite es dann aus, wenn es funktioniert.)
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Messen Sie eine Sache! (Wählen Sie eine einfache Kennzahl – zum Beispiel, wie oft etwas passiert, wie viel Energie oder Lebensmittel verschwendet werden, Ja/Nein-Fragebögen oder Interviews – und stellen Sie sie auf einem Plakat oder einem Dashboard dar.)
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Teilt die Ergebnisse! (Präsentiert den Menschen außerhalb eures Teams, was ihr ausprobiert habt, was ihr geändert habt und was ihr als Nächstes vorhabt.)
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Planen Sie die Nachbetreuung ein! (Wer stellt die Schilder in den Fluren wieder auf? Wer füllt die Vorräte auf? Wie oft?)
Die häufigsten No-Gos, Fehler und Dos.
Problem
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Beschreibung
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Abhilfe
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|---|---|---|
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Der Umfang ist falsch |
VERSUCH NICHT, alle Probleme der Stadt auf einmal zu lösen. Das Projekt wird zu groß und unübersichtlich. |
HALT das Projekt klein und fokussiert (z. B. „Lebensmittelverschwendung in unserer Klasse“ statt „Welthunger“). |
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Zeitdruck |
Behandeln Sie das Living Lab NICHT als einmalige Veranstaltung. Echte Veränderungen brauchen Zeit. |
Integrieren Sie das Living Lab in den Lehrplan (z. B. nutzen Sie den Mathematikunterricht, um die Wirkungsdaten zu messen). |
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Fehlende Belege |
Verlassen Sie sich nicht nur auf Ihr Gefühl, dass die Lösung funktioniert hat. Beweisen Sie es. |
Nutzen Sie einfache Kontrollen (ein „Vorher-Nachher“-Foto), um klare Belege für die Ergebnisse zu liefern. |
Denken Sie daran: Beim Living-Lab-Zyklus geht es darum, durch praktisches Tun zu lernen, und jede Hürde ist eine Chance, es beim nächsten Mal besser zu machen!
6. Literaturverzeichnis
Bergvall-Kåreborn, B., & Ståhlbröst, A. (2009). Living Lab: An open and citizen-centric approach for innovation. International Journal of Innovation and Regional Development, 1(4), 356–370. https://doi.org/10.1504/IJIRD.2009.022727
European Commission, Eurostat. (2020). Sustainable development in the European Union—Monitoring report on progress towards the SDGs in an EU context (2020 edition). Publications Office of the European Union. https://doi.org/10.2785/555257
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