Zusätzliche Materialien

Website: EuroCivic Lab Moodle
Kurs: Das EuroCivic Student Toolkit (DE)
Buch: Zusätzliche Materialien
Gedruckt von: Guest user
Datum: Freitag, 23. Oktober 2026, 22:43

1. Fallbeispiel 1: Die Stufen zur Bibliothek

An unserer Schule liegt die Bibliothek ein paar Stufen höher. Für die meisten Schüler*innen ist das kein Problem. Für Nadia, die einen Rollstuhl benutzt, bedeutet es, dass sie nicht allein hineinkommt. Sie muss warten, bis jemand ihren Rollstuhl hochträgt oder ihr die Bücher herunterbringt. Niemand sagt „Du gehörst nicht dazu“, aber das Gebäude sagt es irgendwie doch.

In derselben Woche macht in den Gruppenchats der Klasse ein Gerücht die Runde: 

„Warum gibt die Schule Geld für besondere Schüler*innen aus und nicht für alle anderen?“

Manche Schüler*innen leiten es weiter, ohne nachzudenken. Andere werden wütend. Ein paar bleiben still, weil sich Streiten im Internet anfühlt, als würde man mit einem Regenschirm aus Papier in einen Sturm laufen.

Im Politikunterricht beschließen wir, etwas Echtes zu tun – und zwar respektvoll.

Zuerst sprechen wir mit Nadia und fragen sie, was sie sich wirklich wünscht. Sie sagt: „Ich möchte einfach meine Bücher selbst aussuchen, so wie alle anderen.“

Dann prüfen wir Fakten statt nur Gefühle. Wir messen die Stufen aus, schauen uns den Eingang an und fragen die Bibliothekarin, was jetzt schon möglich ist. Eine feste Rampe braucht Zeit und viel Papierkram, aber wir können mit einem einfachen Plan anfangen:

  • ein fahrbarer Bücherwagen unten, zu festen Zeiten,

  • ein gut sichtbares Schild, wann der Wagen da ist,

  • eine Bitte an die Schulkonferenz, eine richtige Rampe zu planen.

Wir kümmern uns auch um das Gerücht. Nicht, indem wir Leute angreifen, sondern indem wir darauf antworten. Wir hängen in der Schule eine kleine Plakatreihe mit einer Botschaft auf:

„Gerecht heißt nicht, dass alle das Gleiche bekommen. Gerecht heißt, dass alle mitmachen können.“

Nach zwei Wochen kann Nadia während der Bücherwagen-Zeiten selbstständig Bücher ausleihen. Die Aufregung im Chat legt sich. Und wir lernen etwas Wichtiges: Europäische Werte sind nicht nur große Reden. Manchmal bedeutet es einfach, dafür zu sorgen, dass eine Tür für alle eine Tür ist.

Fragen zum Nachdenken
  1. Was war hier das größere Problem: die Stufen, das Gerücht oder die Reaktionen darauf? Warum?

  2. Ist es „ungerecht“, wenn jemand Unterstützung bekommt, um etwas zu nutzen, das andere ohnehin leicht nutzen können? Erkläre.

  3. Wie kann man Falschinformationen respektvoll richtigstellen, ohne jemanden bloßzustellen?

  4. Wenn eine feste Rampe Monate dauert: Was kann man in der Zwischenzeit tun, damit die Schulgemeinschaft dranbleibt?

  5. Was bedeutet „dazugehören“ an einer Schule – und wer entscheidet darüber?

2. Gemeinsames Projekt 1: Europäisches Jugendportal: Freiwilligenarbeit

Kurzbeschreibung

Material des Europäischen Jugendportals, das Freiwilligenarbeit als Möglichkeit vorstellt, Gemeinschaften zu helfen, etwas Gutes zu bewirken, neue Fähigkeiten zu entwickeln und mit anderen in Kontakt zu kommen.

Lernziele

  • Freiwilligenarbeit als aktive Bürgerschaft erkennen; 

  • herausfinden, was die Gemeinschaft braucht; 

  • darüber nachdenken, welche Fähigkeiten man beim Helfen entwickelt.

Format/Link zur Quelle

Empfohlener Einsatz

Als Einstieg für ein Gespräch in der Klasse nutzen: „Wie könnte Freiwilligenarbeit an unserer Schule oder in unserer Gemeinde aussehen?“

3. Gemeinsames Projekt 2: Demokratie-Werkzeugkasten – Werdet Demokratie-Champions

Kurzbeschreibung

Ein kindgerechtes Material aus der Lernecke der EU für 9- bis 13-Jährige, das zusammen mit Kindern entwickelt wurde. Es enthält Aktivitäten zu Falschinformationen, Umweltrechten, Materialien, um sich für etwas einzusetzen, und zur demokratischen Mitbestimmung.

Lernziele

  • demokratisches Verhalten erkennen; 

  • kritisches Denken üben; 

  • schwierige Werte in konkrete Aktionen in der Klasse oder in der Gemeinde umsetzen.

Format/Link zur Quelle

Empfohlener Einsatz

Ausgewählte Aktivitäten als Einstieg vor einer kleinen Aktion oder einer Schulkampagne nutzen.

4. Multimedia 1: Wie Kinder die Welt verändern können – von Virginia Keister

Kurzbeschreibung

In diesem TED-Vortrag erklärt die junge Rednerin Virginia Keister, wie Kinder helfen können, die Welt zu verändern – angefangen in ihrer eigenen Umgebung. Sie erzählt einfache Beispiele aus dem echten Leben von Kindern, die ein Problem bemerkt haben, denen es wichtig war und die kleine, aber konkrete Schritte unternommen haben, um etwas zu verbessern – vom Helfen bei einsamen Mitschüler*innen bis zur Unterstützung von Menschen in Not oder zum Schutz der Umwelt. Im ganzen Vortrag betont sie, dass Kinder nicht warten müssen, bis sie erwachsen sind, um etwas zu tun: Ihre Ideen, ihre Stimmen und ihre Entscheidungen im Alltag zählen schon jetzt. Das Video ermutigt die Lernenden, sich als aktive Bürger*innen zu sehen, die freundlich sein, kleine Projekte organisieren und andere begeistern können. Es passt zu den Lernzielen des Moduls, weil es sozialen Aktivismus mit echten Geschichten verbindet, die junge Lernende gut verstehen. So wirkt „die Welt verändern“ realistisch, nah und machbar.

Lernziele

  • Die Lernenden erkennen, dass Kinder aktive Bürger*innen sein und in ihrer Schule und Gemeinde etwas zum Guten verändern können.

  • Die Lernenden finden kleine, praktische Dinge, die sie tun können, um anderen zu helfen oder ein Problem vor Ort zu verbessern.

  • Die Lernenden denken darüber nach, warum Mitgefühl und Teamarbeit wichtige Teile von sozialem Aktivismus sind.

Format/Link zur Quelle

Wie Kinder die Welt verändern können – von Virginia Keister

Empfohlener Einsatz

Nutze den Vortrag als Einstieg für ein Gespräch oder eine Gruppenarbeit in der Klasse. Die Schüler*innen schauen das Video, sammeln dann Probleme aus ihrer Umgebung und planen eine kleine Aktion, mit der sie gemeinsam oder zu Hause etwas verändern können.

5. Multimedia 2: Deine digitalen Grundsätze

Kurzbeschreibung

Ein Leitfaden, der jungen Menschen von 12–15 Jahren und ab 15 Jahren die europäischen digitalen Rechte und Grundsätze erklärt. Er hilft den Lernenden zu verstehen, dass Rechte online genauso geschützt werden sollten wie offline.

Lernziele

  • digitale Rechte erkennen; 

  • Verhalten im Internet mit Bürgerschaft verbinden; über Sicherheit, Privatsphäre und Mitbestimmung nachdenken.

Format/Link zur Quelle

Deine digitalen Grundsätze

Empfohlener Einsatz

Als kurzen Lesetext vor einer Debatte in der Klasse über verantwortungsvolle digitale Bürgerschaft oder Online-Aktivismus nutzen.

6. Lehrmaterial 1: Demokratie in der EU zum Mitmachen: Sag deine Meinung mit der Europäischen Bürgerinitiative

Kurzbeschreibung

Interaktives Lernmaterial zur Demokratie in der EU und zur Europäischen Bürgerinitiative. Es enthält vier Unterrichtsstunden, die den Schüler*innen helfen zu verstehen, wie Bürger*innen Themen der EU beeinflussen und am demokratischen Leben teilnehmen können.

Lernziele

  • die Europäische Bürgerinitiative als Werkzeug zum Mitbestimmen verstehen

  • EU-Bürgerschaft mit demokratischem Handeln verbinden

  • üben, ein Thema vorzuschlagen, das gemeinsam verändert werden soll

Format/Link zur Quelle

Demokratie in der EU zum Mitmachen

Empfohlener Einsatz

Als kleines Modul nutzen, bevor die Schüler*innen ihre eigene „Bürgerinitiative“ zu einem Thema an der Schule oder in der Gemeinde planen.

7. Lehrmaterial 2: Handbuch zur Bildung für digitale Bürgerschaft

Kurzbeschreibung

Ein Handbuch des Europarats mit Informationen, Werkzeugen und guten Beispielen, das Lehrkräften hilft, digitale Bürgerschaftskompetenzen zu fördern. So werden Kinder unterstützt, online und offline aktiv und sicher in demokratischen Gesellschaften mitzumachen.

Lernziele

  • Mitbestimmung im Internet verstehen; 

  • digitale Pflichten erkennen; 

  • respektvolles und sicheres Verhalten im Internet üben.

Format/Link zur Quelle

Handbuch zur Bildung für digitale Bürgerschaft

Empfohlener Einsatz

Eine Aktivität oder Idee daraus auswählen und in ein Arbeitsblatt oder eine Übung zum Nachdenken für die Schüler*innen umwandeln.