Lernmaterial

5. Fallbeispiele & Verhaltensregeln

In europäischen Schulen tauchen immer wieder ähnliche Living Labs auf, und diese Wiederholungen bilden Living-Lab-Muster, die man sich als bestimmte Arten von Living Labs vorstellen kann. Denken Sie daran, dass die unten vorgestellten Fallbeispiele nicht dazu dienen, Sie bei der Gestaltung eines Living Labs einzuschränken, das genau so aussieht wie diese. Vielmehr sollen diese Beispiele Ihre Fantasie anregen, indem sie Ihnen eine Vielzahl von Richtungen aufzeigen, die Sie mit der Living-Lab-Methodik einschlagen könnten; bereits erfolgreiche Projekte können als Wegweiser für Ihr eigenes Team dienen und Ihnen helfen, klügere „Schritte“ zu unternehmen, die Sie schneller an Ihr Ziel bringen und häufige Fallstricke vermeiden!

  • Pilotprojekte an Öko-Schulen. Beispiele hierfür sind Energieeinsparungen (in Klassenzimmern werden verschiedene Möglichkeiten zur Reduzierung des Stromverbrauchs getestet) und Mülltrennung (Neugestaltung der Behälterbeschriftung, Anpassung der Behälteraufstellung oder Änderung des Zeitpunkts der Müllabfuhr). Die Teams erfassen eine einfache Kennzahl (wie den wöchentlichen Stromverbrauch in kWh oder die Füllrate der Behälter) und präsentieren die Ergebnisse bei Schulversammlungen oder auf einer Ausstellung im Flur. Diese Pilotprojekte stehen in einem klaren Zusammenhang mit den SDGs (wie SDG 7 „Bezahlbare und saubere Energie“ und SDG 12 „Verantwortungsvoller Konsum und Produktion“) und stimmen oft mit lokalen Klimaplänen überein. Netzwerke wie ENoLL teilen ähnliche Fallstudien aus Schulen und Städten, sodass Sie Ideen übernehmen und anpassen können (ENoLL, o. J.). 

  • Pilotprojekte zur sozialen Gerechtigkeit. Solche Projekte konzentrieren sich auf Barrierefreiheit (beispielsweise bessere Beschilderung, eine raumgestalterische Gestaltung der Klassenzimmer, die Rollstuhlfahrer unterstützt) oder die Einbindung durch Gleichaltrige (wie Begleitpersonen für neue Schüler, Regeln für Ruheräume oder Mentoring durch ältere Schüler sowie Unterstützungspläne). Eine einzige Messgröße sorgt dafür, dass das Pilotprojekt fokussiert bleibt (beispielsweise die Anzahl der Schüler, die täglich einen Ruheraum nutzen, oder eine kurze Befragung zum „Zugehörigkeitsgefühl“ mittels Ein-Frage-Interviews). Im Laufe der Zeit verfeinert das Team die erfolgreichen Ansätze und erstellt einen einfachen Plan zur Aufrechterhaltung der Maßnahmen, damit die Verbesserungen von Dauer sind (UNESCO, 2021; Leminen et al., 2012). Solche Pilotprojekte stehen im Zusammenhang mit dem SDG 4 „Hochwertige Bildung“ und dem SDG 10 „Weniger Ungleichheiten“.

  • Pilotprojekte zur Brückenbildung zwischen Schule und Gemeinde. Hierbei handelt es sich um Aktivitäten, die Schule und Nachbarschaft miteinander verbinden: ein gemeinsamer Aufräumtag, eine Kartierungsaktion für sichere Schulwege oder eine gemeinsam mit der Stadtbibliothek gestaltete Mini-Ausstellung zur lokalen Geschichte. Diese Bemühungen sind zwar klein, aber sie stärken das Vertrauen zwischen Jugendlichen und Erwachsenen außerhalb der Schule und zeigen, wie das Engagement von Schülern die Ziele der Stadt unterstützen kann (Europäische Kommission, Eurostat, 2020; ENoLL, o. J.). Solche Bemühungen stehen im Zusammenhang mit SDG 17 „Partnerschaften für die Ziele“ und SDG 11 „Nachhaltige Städte und Gemeinden“.

Typische Modelle für Living-Labs in Schulen

Living Lab
Mustertyp
Schwerpunkt
Beispiel

Öko-Schule

Umwelt, Abfall, Energie

Die Schüler entwerfen und testen ein System zur Stromeinsparung im Computerraum.

Soziale Gerechtigkeit

Gerechtigkeit, Inklusion, Rechte

Schüler führen eine Kampagne durch, um die Barrierefreiheit für Schüler mit Behinderungen auf dem Schulhof zu verbessern.

Gemeinschaftsbildung

Verbindung zur lokalen Umgebung

Die Schüler arbeiten mit einem örtlichen Gartenverein zusammen, um auf dem Schulgelände einen gemeinschaftlichen Gemüsegarten anzulegen.



Living-Lab-Regeln: Was man nicht tun sollte!
  • Überspringe niemals die Einwilligung oder den Datenschutz! (Informiere die Betroffenen immer über die Daten, die du erheben wirst, und hole die Einwilligung ein.)

  • Entwerft nichts, was ihr nicht aufrechterhalten könnt! (Wenn eine Idee Geld erfordert oder die Hilfe von Erwachsenen, schraubt sie zurück oder ändert die Richtung.)

  • Geht nicht davon aus, dass die erste Idee die beste ist! (Betrachtet Feedback als wertvolle Denkanstöße und nicht als Kritik.)

  • Vergiss die Inklusion nicht! (Überlege dir, wer als Erstes von jeder positiven Veränderung profitiert, ob das fair ist und wer möglicherweise außen vor bleibt.)  

Living-Lab-Regeln: Was du tun solltest!
  • Entwickle Ziele gemeinsam mit den Betroffenen! (Bitte sie, das Problem mitzudefinieren und zu entscheiden, wie der Erfolg deines Projekts gemessen werden soll.)

  • Fang klein an! (Führe ein Pilotprojekt in einer Klasse, einem Flur oder einer Woche durch und weite es dann aus, wenn es funktioniert.)

  • Messen Sie eine Sache! (Wählen Sie eine einfache Kennzahl – zum Beispiel, wie oft etwas passiert, wie viel Energie oder Lebensmittel verschwendet werden, Ja/Nein-Fragebögen oder Interviews – und stellen Sie sie auf einem Plakat oder einem Dashboard dar.)

  • Teilt die Ergebnisse! (Präsentiert den Menschen außerhalb eures Teams, was ihr ausprobiert habt, was ihr geändert habt und was ihr als Nächstes vorhabt.)

  • Planen Sie die Nachbetreuung ein! (Wer stellt die Schilder in den Fluren wieder auf? Wer füllt die Vorräte auf? Wie oft?)

Die häufigsten No-Gos, Fehler und Dos.

Problem
(Was man nicht tun sollte)
Beschreibung
(Der „Beeil-Dich“-Fehler)
Abhilfe
(Die richtige Vorgehensweise)

Der Umfang ist falsch

VERSUCH NICHT, alle Probleme der Stadt auf einmal zu lösen. Das Projekt wird zu groß und unübersichtlich.

HALT das Projekt klein und fokussiert (z. B. „Lebensmittelverschwendung in unserer Klasse“ statt „Welthunger“).

Zeitdruck

Behandeln Sie das Living Lab NICHT als einmalige Veranstaltung. Echte Veränderungen brauchen Zeit.

Integrieren Sie das Living Lab in den Lehrplan (z. B. nutzen Sie den Mathematikunterricht, um die Wirkungsdaten zu messen).

Fehlende Belege

Verlassen Sie sich nicht nur auf Ihr Gefühl, dass die Lösung funktioniert hat. Beweisen Sie es.

Nutzen Sie einfache Kontrollen (ein „Vorher-Nachher“-Foto), um klare Belege für die Ergebnisse zu liefern.

 

Denken Sie daran: Beim Living-Lab-Zyklus geht es darum, durch praktisches Tun zu lernen, und jede Hürde ist eine Chance, es beim nächsten Mal besser zu machen!