Lernmaterial

1. Einleitung

Auch du bist Europa! – Der Zusammenhang zwischen den SDGs und der europäischen Identität

Was hat die Rettung der Welt mit der Schule zu tun? Eine ganze Menge.

Immer mehr junge Menschen in Europa und auf der ganzen Welt erkennen, dass ihre Entscheidungen, Ideen und Handlungen auch die Zukunft unseres Planeten beeinflussen. Viele Menschen sind der Meinung, dass Erwachsene und Regierungen nicht die Einzigen sein können, die sich mit dringenden globalen Problemen wie Klimawandel, Armut, Ungleichheit und Umweltschäden befassen. Hier kommen die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) ins Spiel (UN 2015).

Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs), die die Vereinten Nationen 2015 verabschiedet haben, geben allen ein gemeinsames Ziel vor, um bis 2030 auf eine nachhaltigere, gerechtere und friedlichere Welt hinzuarbeiten. Sie befassen sich mit großen Problemen, die die ganze Welt betreffen, wie Armut, Hunger, Zugang zu Bildung, sauberes Wasser, Gleichstellung der Geschlechter, verantwortungsvoller Konsum, Klimaschutz und Zusammenarbeit mit anderen Ländern. Diese Ziele sind keine weit entfernten politischen Ideen. Sie haben direkte Auswirkungen auf das Leben junger Menschen heute und in der Zukunft. Die Ziele für nachhaltige Entwicklung sind in Abbildung 1 dargestellt.

Abbildung 1: Ziele für nachhaltige Entwicklung (Quelle: UN https://unis.unvienna.org/unis/en/topics/sustainable_development_goals.html)

Die SDGs decken viele verschiedene Bereiche ab, lassen sich jedoch in einige Hauptgruppen einteilen. Einige dieser Gruppen konzentrieren sich auf soziale Gerechtigkeit und Gleichberechtigung, wie beispielsweise die Beseitigung der Armut, die Verbesserung der Bildung, den Abbau von Ungleichheiten und die Förderung der Gleichstellung der Geschlechter. Manche Menschen legen Wert auf die Umwelt, wollen Ökosysteme schützen, Maßnahmen gegen den Klimawandel ergreifen und dafür sorgen, dass sauberes Wasser zur Verfügung steht. Eine dritte Gruppe befasst sich mit der Verbesserung der Wirtschaft und des Zusammenlebens, wozu Themen wie bezahlbare Energie, menschenwürdige und gute Arbeitsplätze, neue Ideen, umweltfreundliche Städte mit naturbasierten Lösungen sowie verantwortungsvoller Konsum gehören. Schließlich geht es um Zusammenarbeit und den Aufbau von Partnerschaften, da Menschen und Länder langfristige Veränderungen nicht alleine bewirken können. 

Warum ist das für Schüler*innen wichtig? Die SDGs sind wichtig, weil es um die Welt geht, in der junge Menschen leben und die sie verändern werden. Schüler*innen lernen sie kennen, um globale Probleme besser zu verstehen, über ihre eigene Verantwortung nachzudenken und zu erkennen, dass schon kleine Taten einen großen Unterschied machen können.

Dies ist auch ein wesentlicher Bestandteil dessen, was es bedeutet, Europäer*in zu sein. Die Flagge und die Hymne sind nicht die einzigen Symbole der europäischen Identität. Diese basiert auch auf Werten wie Solidarität, Menschenrechten, Demokratie, Vielfalt und Nachhaltigkeit. Diese Werte sind nicht nur Ideen; sie zeigen sich darin, wie Menschen Entscheidungen treffen und in ihren Gemeinschaften leben (Europäische Kommission 2014, Erasmus+ & Europäisches Solidaritätskorps, 2024).

Solidarität bedeutet, sich gegenseitig zu helfen und dafür zu sorgen, dass niemand zurückgelassen wird. Das kann auf vielen Ebenen geschehen, von der Zusammenarbeit europäischer Länder bis hin zu kleinen Gesten, die Menschen in der Schule oder in ihren lokalen Gemeinschaften zeigen – etwa anderen zu helfen, sich gegen Ausgrenzung zu wehren oder dafür zu sorgen, dass alle mitmachen können (Europäisches Zentrum für Entwicklungspolitikmanagement, 2023).

Menschenrechte sind die Grundrechte und -freiheiten, die jedem zustehen, unabhängig von Nationalität, Geschlecht, Religion oder sozialem Hintergrund. Dazu gehören unter anderem das Recht auf Bildung, das Recht auf freie Meinungsäußerung, das Recht auf Gleichbehandlung und das Recht auf Privatsphäre (Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (1948)). Eine der Grundideen der Europäischen Union ist die Achtung der Menschenrechte.

Demokratie bedeutet, dass Menschen ihre Meinung äußern und an Entscheidungen mitwirken können, die ihr Leben betreffen. Schüler*innen können Demokratie bereits in ihren Schulgemeinschaften, in Schülerräten, bei Diskussionen und bei gemeinsamen Entscheidungen erleben. Demokratie ist mehr als nur Wählen; es geht auch darum, Verantwortung zu übernehmen, sich einzubringen und andere zu respektieren.

Ein weiterer wichtiger europäischer Wert ist die Vielfalt. Die Europäische Union besteht aus vielen Ländern, Kulturen und Sprachen, doch ihr Leitgedanke lautet „Einheit in der Vielfalt“. Das bedeutet, dass es nichts Schlechtes, sondern etwas Gutes ist, anders zu sein. Das Kennenlernen anderer und die Offenheit gegenüber unterschiedlichen Sichtweisen machen Europa zu einem stärker vernetzten und einladenden Ort. 

Die SDGs und die europäischen Werte ergänzen sich gut und stärken sich gegenseitig. So basiert beispielsweise SDG 4: Hochwertige Bildung auf dem europäischen Grundsatz der Chancengleichheit. SDG 5: Geschlechtergleichstellung untermauert die Idee, dass jeder mit Respekt behandelt werden und die gleichen Rechte haben sollte. SDG 13: Maßnahmen zum Klimaschutz steht in engem Zusammenhang mit Europas Versprechen, umweltfreundlich zu handeln und verantwortungsbewusst mit dem Klimawandel umzugehen (Oxfam 2016, New Line Inst. 2024, Europäische Kommission 2025). SDG 16: Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen zeigt, wie wichtig Demokratie, Frieden und Rechtsstaatlichkeit in Europa sind.

Die Arbeit an den SDGs ist für Schüler*innen auch eine Möglichkeit, europäische Werte in die Tat umzusetzen. Auf diese Weise ist die aktive Teilhabe an Nachhaltigkeit, Gleichberechtigung und Gemeinschaftsleben auch ein Weg, sich als europäische Bürger*innen zu verstehen.

Junge Menschen benötigen dafür viele verschiedene Fähigkeiten und Einstellungen. Dazu gehören unter anderem: aktives bürgerschaftliches Engagement, Eigeninitiative, demokratisches Denken, Zusammenarbeit, Verantwortung für die Umwelt,  zukunftsorientiertes Denken, Weltbewusstsein, Sensibilität für andere Kulturen, Wissen über Nachhaltigkeit, systemisches Denken und das Treffen von Entscheidungen auf der Grundlage gemeinsamer Werte. Diese „Superkräfte“ sind keine besonderen Fähigkeiten. Man kann lernen, zusammenarbeiten und aktiv werden, um diese Fähigkeiten zu verbessern.

Schüler*innen können sich auf vielfältige Weise engagieren. Schulen können Veranstaltungen planen, um das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Vielfalt zu schärfen, beispielsweise Kampagnen zum Energiesparen, getrennte Müllsammlung, Gemeinschaftsgärten oder kreative Projekte wie Plakate, Podcasts oder Aufführungen. Schüler*innen können auch an internationalen Programmen wie Erasmus+ oder eTwinning teilnehmen, wo sie Ideen und Erfahrungen mit anderen jungen Menschen aus aller Welt austauschen können.

Die wichtigste Botschaft, die es zu beachten gilt, ist, dass junge Menschen etwas bewirken können, egal wie klein sie sind. Die SDGs sind nicht nur Ziele für Politiker*innen und Organisationen auf der ganzen Welt. Sie bieten auch Schüler*innen die Chance, zu lernen, sich zu engagieren und etwas zu bewirken. Die europäische Identität ist also mehr als nur die Vergangenheit. Es geht auch um die Zukunft und die Werte, nach denen junge Menschen leben möchten.

Die Schüler*innen tragen bereits dazu bei, Europa nachhaltiger und offener zu gestalten, indem sie kritisch denken, verantwortungsbewusst handeln und sich in ihren Gemeinschaften engagieren.