Zusätzliche Materialien

2. Fallbeispiel 2: Zu teuer, um grün zu sein?

Als der Stadtrat ankündigt, den Autoverkehr in der Nähe der Schule zu verringern und mehr Radwege zu bauen, gibt es sofort Reaktionen. Manche Schüler*innen sind begeistert. Ihnen gefällt die Idee von sauberer Luft und sichereren Straßen. Andere sind weniger begeistert.

„Meine Eltern können sich nicht einfach ein Elektroauto kaufen“, sagt eine Schülerin im Unterricht.

Ein anderer ergänzt: „Umweltpolitik ist für reiche Familien einfacher.“

Bald werden in den sozialen Medien Beiträge geteilt, die das Projekt kritisieren:

„Die Klimapolitik bestraft normale Leute, während die Politiker*innen um die ganze Welt fliegen.“

Im Erdkundeunterricht schauen sich die Schüler*innen das Thema genauer an. Sie finden heraus, dass die Luftverschmutzung in ihrer Stadt gestiegen ist, besonders in der Nähe von Schulen, und dass die Klimapolitik der EU nicht nur weniger Abgase, sondern auch mehr Gesundheit für alle zum Ziel hat.

Die Lehrkraft bittet die Schüler*innen, das eigentliche Dilemma zu benennen:

  • Kann sich Umweltschutz für manche Menschen ungerecht anfühlen?

  • Wer soll für den grünen Wandel bezahlen?

  • Wie kann Klimaschutz sozial gerecht bleiben?

Die Klasse wird in kleine Gruppen aufgeteilt, um über praktische Lösungen nachzudenken. Sie streiten nicht nur „dafür“ oder „dagegen“, sondern suchen nach Kompromissen:

  • günstigere öffentliche Verkehrsmittel für Schüler*innen,

  • sicherere Radwege,

  • finanzielle Unterstützung für Familien mit wenig Geld,

  • Schulaktionen, die dazu anregen, zu Fuß zu gehen oder Fahrgemeinschaften zu bilden.

Eine Schülerin kommt zu dem Schluss:

„Vielleicht ist die Frage nicht, ob wir grün werden, sondern wie wir das gerecht schaffen.“ Das Gespräch hilft den Schüler*innen zu verstehen, dass es bei Nachhaltigkeit nicht nur um die Umwelt geht, sondern auch um Solidarität, darum, dass alle mitgenommen werden, und um gemeinsame Verantwortung in Europa.

Fragen zum Nachdenken

  • Warum finden manche Menschen Klimapolitik ungerecht?

  • Wie können Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit zusammenpassen?

  • Welche Aufgaben haben die Bürger*innen, die Gemeinden und die EU?

  • Welche Lösungen aus dem Fallbeispiel findest du am realistischsten?

  • Wie können junge Menschen dazu beitragen, dass ihre Umgebung grüner wird?

Kurzbeschreibung

Dieses Fallbeispiel zeigt die sozialen Herausforderungen, die mit ökologischer Nachhaltigkeit und dem europäischen Grünen Deal verbunden sind. Die Schüler*innen untersuchen eine Diskussion vor Ort darüber, den Autoverkehr in der Nähe von Schulen zu verringern und umweltfreundlichere Verkehrsmittel einzuführen. Manche Bürger*innen wünschen sich sauberere Luft und sicherere Straßen. Andere machen sich Sorgen, dass die Klimapolitik Familien mit wenig Geld stärker belastet.

Im Gespräch in der Klasse untersuchen die Schüler*innen, wie Umweltschutz, wirtschaftliche Gerechtigkeit und der Zusammenhalt in der Gesellschaft manchmal in Konflikt geraten können. Die Aktivität regt die Lernenden an, über einfache „dafür oder dagegen“-Positionen hinauszugehen und ausgewogene, realistische Lösungen zu suchen, die Nachhaltigkeit und Solidarität verbinden.

Das Fallbeispiel zeigt außerdem, dass europäische Bürgerschaft gemeinsame Verantwortung für gemeinsame Herausforderungen wie den Klimawandel bedeutet. Gleichzeitig wird deutlich, dass verschiedene Gruppen diese Politik unterschiedlich erleben. Die Schüler*innen denken darüber nach, wie Bürger*innen, Gemeinden und die Europäische Union zusammenarbeiten können, damit der Weg in eine nachhaltigere Zukunft gerecht wird.

Lernziele

Verstehen, wie ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit zusammenhängen.

Darüber nachdenken, wie die europäische Klimapolitik verschiedene Gruppen in der Gesellschaft betrifft.

Kritisches Denken und Problemlösen üben, indem man über schwierige Entscheidungen aus dem echten Leben spricht.

Empfohlener Einsatz

Geeignet für Politik, Erdkunde, Nachhaltigkeit oder Europa-Themen im Unterricht: als Gesprächseinstieg, Debatte oder Gruppenaufgabe zum Problemlösen rund um den europäischen Grünen Deal und die Nachhaltigkeitsziele.