Lernmaterial

3. Aktuelle Herausforderungen der EU

3.3. Europa als Friedensprojekt: Die Rückkehr bewaffneter Konflikte

Obwohl die EU als Organisation seit ihrer Gründung kaum militärisch oder politisch in größere bewaffnete Konflikte verwickelt war, ist das Thema Krieg in den letzten Jahren wieder direkt in den Mittelpunkt der EU gerückt:

  • Die jüngsten militärischen Konflikte innerhalb Europas, aber auch außerhalb, haben die EU in eine kritische Lage gebracht und sie dazu herausgefordert, eine entschlossenere Position in Angesicht großräumiger geopolitischer Krisen einzunehmen. 

  • Obwohl die EU kein Militärbündnis ist, wird von ihr erwartet, dass sie auf Verletzungen des Völkerrechts reagiert und ihrer Rolle als Förderin von Frieden und Stabilität gerecht wird. 

Gleichzeitig ist die EU in globale Verpflichtungen eingebunden: Von den 27 EU-Mitgliedstaaten gehören 23 der NATO (Nordatlantikpakt-Organisation) an – ein von der USA angeleitetes Militärbündnis, zu dessen Gründungsmitglieder auch viele Europäische Staaten gehören. Die EU und die NATO haben sich gegenseitig offiziell als strategische Partner mit gemeinsamen Interessen und Werten anerkannt. Infolgedessen beeinflusst die enge Zusammenarbeit der EU mit der NATO ihre Haltung in Konflikten und ihre Beziehungen zu rivalisierenden Mächten. 

→ Dies ist in den jüngsten Konflikten in verschiedenen Regionen der Welt, an denen die Ukraine, Russland, Israel, Palästina, der Iran und die Vereinigten Staaten von Amerika beteiligt sind, deutlicher geworden. Das aktuelle politische Klima mit Veränderungen in der Außenpolitik und den Bündnissen der USA gegenüber ihren europäischen Partnern (wie unter anderem die Drohung, Grönland zu annektieren) hat die internationalen Beziehungen destabilisiert. 

Unterdessen wird die Verlässlichkeit traditioneller Verbündeter in Frage gestellt, da wachsende globale Spannungen und aktuelle Konflikte zwischen Nationalstaaten und bei den EU-Bürgern Unsicherheit auslösen. 

In diesem Zusammenhang wird nun die grundlegende Mission der EU als Friedensprojekt in Frage gestellt und die Frage erhoben, ob die aktuelle Lage eher ein stärkeres militärisches Engagement oder eine Distanzierung von jeglicher Form der Beteiligung von der EU erfordert.